Was ist CM?

Wikipedia hat natürlich eine Definition ,
folgender, von einer anderen Website „geklaute“ (und minimal editierte) Text
beschreibt das Phänomen wahrscheinlicht besser:

Die Critical Mass: mehr als nur eine Radtour in der Stadt – und eine Frage der Wahrnehmung

Critical – was? Die Erklärung: eine möglichst große Zahl an Radfahrern schließt sich regelmäßig zu einer Gruppe zusammen und beansprucht so ihren Platz im Straßenverkehr. Man kann diese Aktionsform also getrost als Gegenbewegung zur alltäglichen Blechlawine auf den Straßen begreifen – und als Feier für das Verkehrsmittel Fahrrad.

Ein Grundanliegen der Critical Mass ist, sicheren Verkehrsraum für Radfahrer zurückzugewinnen.

Dieser Verkehrsraum wird hierzulande bisher vor allem von Kraftfahrzeugen besetzt – allein für diese sind Spuranlagen und Leitsysteme angelegt. „Autogerecht“ nennt man das.

An dieser einseitigen Ausrichtung unserer Stadt rüttelt die Critical Mass. Radfahrer sollen nicht länger auf minderwertige Nebenwege geschickt werden. Damit sind zum Beispiel Radwege gemeint, die sich an Engstellen der Autospur beugen müssen. Man stelle sich im Gegenzug eine Autospur vor, die vor einem Kreisverkehr unvermittelt endet. Radfahrer erleben so etwas ständig.

Darüber hinaus stellt die Bewegung eine grundsätzliche Frage an die Stadt- und Verkehrsplanung: wie soll in Zukunft unsere Fortbewegung im Straßenraum, somit auch unser Umgang und die Begegnung im öffentlichen Raum aussehen? Weiterhin Vorfahrt für das Auto, unter Inkaufnahme aller Begleiterscheinungen wie Abgas, Lärm, Flächenverbrauch und Gefährdung schwächerer Verkehrsteilnehmer? Oder spricht nicht viel mehr für ein umweltverträgliches Verkehrskonzept, wie es das Fahrrad schon längst bereitstellt?

Nur – woher rührt dieses von Verblüffung bis Missbilligung reichende Unverständnis, das viele Autofahrer angesichts Rad fahrender Zeitgenossen im Straßenverkehr an den Tag legen?

Es liegt am Selbstverständnis der Wagenlenker. Einem Selbstverständnis, das von Politik und Industrie über Jahrzehnte hinweg gefördert und gefestigt wurde; mit dem Ergebnis einer asphaltierten Gesellschaft. Für den motorisierten Individualverkehr – und für niemanden sonst – wurde die passende Infrastruktur geschaffen. Egal ob Autobahn, Umgehungsstraße, Tempo-30-Zone oder Tiefgaragenstellplatz: Verkehr wurde vom Auto her gedacht. Wir leben gewohnheitsmäßig in dieser Welt, vieles fällt uns schon gar nicht mehr auf. Lärmende Durchgangsstraßen in der Stadt, für den Autoverkehr optimierte Kreuzungen, Parkhäuser und Tiefgaragen an jeder Ecke – geschenkt. Es herrschte lange stillschweigendes Einverständnis bei uns allen – schließlich haben viele von dieser Entwicklung profitiert. Sei es als Teil eines Wirtschaftszweigs, der mit Herstellung, Vertrieb und Instandhaltung des Systems befasst ist. Oder sei es als Nutzer desselben.

Langsam allerdings bekommt die unerschütterliche Gewissheit, das Auto sei die Krone der Mobilität, ernstzunehmende Risse: denn es gibt da unter anderem dieses Problem mit der Energiezufuhr. Wir leisten uns ein Verkehrssystem, das Unmengen an fossiler Energie verschlingt und uns teilweise giftige Gase zur Inhalation hinterlässt. Vom immensen Flächenverbrauch außer- wie innerorts ganz zu schweigen.

Und nun tauchen auch noch diese Radfahrer auf, die ihren Platz im Straßenverkehr beanspruchen. Sie tun dies in einem Straßenverkehr, der doch dem Auto gehört, sie tun dies mit einem Verkehrsmittel, das doch schon fast ausgestorben zu sein schien. Das ist zugegebenermaßen schwer auszuhalten, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Fahrrad als Massenverkehrsmittel älter ist als jedes motorisierte Fahrzeug.

Unter den gegebenen Umständen ist also ein gewisses Unverständnis vorprogrammiert.

Was hat all das mit der Critical Mass zu tun? Sehr viel: Wir leisten gewissermaßen Aufklärungsarbeit. Wir zeigen auf entspannte Weise, wie selbstverständlich auf allen Straßen Rad gefahren werden kann. Wir zeigen: das ist überhaupt nicht gefährlich, solange der Autoverkehr sich in einem für alle verträglichen Rahmen bewegt. Dieser Rahmen allerdings, der wird in Zukunft deutlich enger zu stecken sein als bisher. Auch wenn dies – vorläufig – noch nicht alle verstehen.

Text: Alban Manz